Digitale Schnellstraßen fast noch wichtiger als asphaltierte

Idar-Oberstein. Der FDP-Kreisverband Birkenfeld hatte Michael Theurer, liberaler Europa-Abgeordneter und Landesvorsitzender der baden-württembergischen FDP, als prominenten Redner für seinen Neujahrsempfang gewonnen und freute sich über ein volles Haus an der Kirschweiler Brücke. Nachdem der Kreisvorsitzende Dr. Lothar Ackermann den Anwesenden die „Wichtigkeit der anstehenden Wahl für die liberale Sache“ vor Augen geführt und um 12552993_504695026385341_7881862423138151783_nUnterstützung gebeten hatte, stellte der in Kirschweiler lebende Landtagskandidat Matthias Keidel bei seinem Heimspiel den Besuchern die wichtigsten Punkte seines Wahlprogrammes vor und legte dabei einen besonderen Fokus darauf, auch digitale Zukunftsthemen zu benennen.

Er forderte, vor dem Hintergrund der Diskussion um die bessere Anbindung des Kreises mit realen Schnellstraßen nicht die mindestens ebenso wichtige Anbindung mit digitalen Schnellstraßen zu vergessen. Darüber hinaus zeigte er Möglichkeiten auf, wie man aus den real existierenden Schwächen des Kreises Stärken machen könne. „Leerstand in den Fußgängerzonen ist natürlich ein riesiges Problem, aber wir sollten nicht vergangenen Zeiten hinterher weinen, sondern diesen als Gestaltungsraum für neue Konzepte sehen“, empfiehlt Keidel.

Daran knüpfte Michael Theurer an, der mehr als ein Jahrzehnt sehr erfolgreich als Oberbürgermeister der Stadt Horb am Neckar agierte. „Horb war an der Verschuldungsobergrenze. Wir konnten den Bürgern keine Geschenke versprechen“, erinnerte er sich. Sein Mittel war daher, das bürgerschaftliche Engagement zu stärken und den MenschenTheurer den Glauben an ihre Region zurückzugeben – ein Mittel, in dem er auch den Schlüssel für den Hunsrück und den Kreis Birkenfeld sieht. „Es wird niemand von außen kommen und Ihre Probleme lösen. Aber die gute Nachricht ist: Die Lösungen liegen in der Region, bei den Menschen, die hier jetzt schon leben“, ist sich Theurer sicher.

Um diese Potenziale zu heben, müssten sich Verwaltungen aber mehr als Ermöglicher sehen, die bereit sind, gerade auch an junge Menschen zu glauben und diesen Risikokapital in die Hand zu geben. Die Bürger wiederum rief er dazu auf, Verantwortung zu übernehmen. „Immer nur zu sagen, ‚die Verwaltung muss aber‘, das reicht nicht. Gerade in Krisenzeiten ist die Bevölkerung als Ganzes gefragt“, mahnte Theurer, und bezog diese Forderung nicht nur auf die kommunale, sondern auch auf übergeordnete Ebenen. „Wir brauchen ein Update, ein Umdenken“, sagte er auch mit Blick auf die Flüchtlingskrise und gab zu bedenken, dass die Lösung nicht sein könne, Probleme des 21. Jahrhunderts mit den Mitteln des 20. Jahrhunderts zu lösen. Theurer rief die Wähler auf, die politische Mitte zu stärken. Die FDP erteile jeglicher Form von religiösem Fanatismus und politischem Extremismus eine klare Absage. Für diese Sicht bekam er viel Zustimmung von den etwa 50 Zuhörern.

Nahe Zeitung vom Dienstag, 9. Februar 2016, Seite 15